Santos Populares

Am zwölften Juni sind die Santos Populares auf ihrem Höhepunkt angekommen. In jedem traditionellen Stadtviertel wird gefeiert. Alfama ist eine einzige Party. Und GAIA mittendrin.

Wir verkaufen Bier, Sangria, Brötchen mit wahlweise Seitan oder Humus, Gemüsespieße, selbstgemachte Ingwerlimonade, … Das ganze ist weniger stressig, als ich gedacht hätte. Im Vorfeld gab es lange Diskussionen zu Plastikbechern und Müllvermeidung. Es wurde erzählt, dass es während dieses Abends üblicherweise auf der Straße vor GAIA so voll sei, dass mensch weder laufen noch stehenbleiben könne. Umso erstaunter bin ich, als sich herausstellt, dass das Publikum dann doch eher der übliche Bekanntenkreis ist.

Rund herum herrscht allerdings immenser Trubel. Die ganze Stadt hat sich herausgeputzt. Häuser wurden neu gestrichen, überall hängen bunte Girlanden.

In kritischer Annäherung an die Festlichkeiten gibt es bei uns eine eigene Heilige: SanGAIA, die heilige Patronin des Mülls. Eine Freundin sagt, wenn ich so wenig Plastik wie möglich verwenden würde, gäbe es eine geringe Chance, das SanGAIA mir vielleicht, vielleicht vergeben würde. Ich fühle mich irgendwie an die indische Göttin Kali erinnert.

Bis zwei Uhr nachts geht unsere Verkaufsfeier, dann ziehen wir weiter, denn in der RDA ist heute Nacht auch Party. Und als wir ankommen, scheint sie auf dem Höhepunkt zu sein. Zum ersten Mal erlebe ich das das Gebäude geschlossen ist und auf der Straße davor gefeiert wird. Wir tanzen und tanzen, ich bin glücklich mit so tollen Freund_innen unterwegs zu sein, so solidarisch, ausgelassen, albern, begeistert – und plötzlich ist es kurz vor sechs. Und in ein paar Stunden will ich eine Radtour machen. Die Verabschiedung dauert dann auch noch eine Weile, aber dann bin ich doch zu Hause und schlafe.

Es ist allerdings schon Mittag als wir schließlich auf dem Fahrrad sitzen. Zu zweit radeln wir quer durch Lissabon nach Belém. Von dort geht es mit dem Boot zur anderen Tejo-Seite, durch Trafaria, und dann die Costa de Caparica entlang. Es ist schon früher Abend als wir uns entschließen unser Zelt irgendwo in Strandnähe aufzuschlagen. Aber zum Baden ist es sowieso zu kalt. Nach einer warmen Woche, haben wir ein kühles und etwas regnerisches Wochenende erwischt. So sitzen wir einfach im Sand am Meer und lassen uns den Wind um die Ohren blasen. Zum Abendessen gibt es Seitanreste und andere Leckereien.

Den ganzen nächsten Vormittag regnet es, weshalb wir uns erst am späten Nachmittag wieder auf den Rückweg machen. Erstaunlicherweise legen wir diesmal den Weg deutlich schneller zurück – vielleicht, weil wir uns diesmal nicht verfahren. Einige Stunden später wäre das letzte Boot zurück nach Lissabon schon weg gewesen.

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