Metódo Etnográfico: Bangladeshis em Lisboa

Von dem Kurs Método Etnográfico habe ich mir einen Umgang mit ethnologischen Forschungsmethoden erhofft. In dem Kurs selbst habe ich leider aufgrund der sprachlichen Schwierigkeiten sehr wenig verstanden. Allerdings zwingt mich das Praxisprojekt dazu, mich doch wenigenstens ein bisschen mit der Methodik auseinanderzusetzen. Nächsten Montag soll ich eine schriftliche Ausarbeitung abgeben, heute musste eine mündliche Präsentation zu einem Teilaspekt meines Themas halten.

Ich hatte mich zu Beginn des Semesters darauf festgelegt ein Projekt mit Bangladeshis in Lissabon machen zu wollen. Kurz darauf habe ich das Thema gemeinsam mit einem Projektpartner auf Geschlechterrollen reduziert. Nach einem schriftlichen Projektvorschlag, hat die Dozentin angeregt, wir sollten uns auf Geschlechterunterschiede im Migrationsprozess selbst fokussieren, das das Thema sonst viel zu breit sei. Obwohl wir uns eigentlich auf Observacao Directa, auf Entrevista Etnográfica oder auf História de Vida hätten festlegen sollen, blieben wir methodisch eine ganze Zeit lang ziemlich vage. Weder ich noch mein Projektpartner kamen in der angedachten Zeit dazu uns in die Thematik einzulesen oder in das praktische Projekt einzusteigen. Schon nach wenigen Wochen kam mein Projektpartner nicht mehr in den Kurs und lies auch sonst nichts mehr von sich hören. Ich lies mich davon nicht irritieren, schließlich schob ich auch selbst alles vor mir her. Irgendwann ließ mich mein Projektpartner wissen, dass er den Kurs nicht beenden wolle, da er sich dann besser auf seine anderen Kurse konzentrieren könne. Ich sprach mit der Dozentin und sie fragte nur, ob ich das Projekt denn alleine machen könne. So bekam ich die Freiheit meinen gewohnten chaotischen Arbeitsstil zu pflegen.

Ich stellte es mir leicht vor, in Kontakt mit Bangladeshis in Lissabon zu kommen. Schon letzten Sommer hatte ich festgestellt, dass es in Lissabon viele Läden und Restaurants gibt, die Bangladeshis gehören. Doch nun schob ich trotzdem die Kontaktaufnahme endlos vor mir her. Als ich dann tatsächlich versuchte Teilnehmende für mein Projekt zu finden, stellte sich das als schwieriger als gedacht heraus. In einem Laden mit Hippikleidung und Bettüberwürfen kam ich mit dem Besitzer und einem Angestellten in’s Gespräch. Der Besitzer erzählte, dass er auch mehrere Jahre in Deutschland gelebt hätte. Ich sagte, dass ich mich in der Uni mit Bangladesh und mit Migration beschäftigen würde und fragte, ob ich ein ethnografisches Interview mit im machen könne. „Interview? No!“, war seine definitive Antwort. Als ich meiner Dozentin gegenüber Schwierigkeiten beim Feldzugang erwähnte, sagte sie, ich könne meine Methode immer noch ändern und im Zweifelsfall auch nur einfache Beobachtungen machen.

Ich versuchte mehrfach mein Glück in einem Laden in Alfama, in dem ich im August meine erste portugiesische SIM-Karte gekauft hatte. Damals hatte ich mich mit einem sehr jungen Verkäufter unterhalten, der aus Bangladesh kam. Ich hatte mit ihm sehr lange über Hitler diskutiert, bis dieser betroffen sagte, dass er nicht wusste, dass Hitler auch Sinti und Roma hatte umbringen lassen und dass das NAZI-Regime vielleicht doch nicht gut gewesen war. Seitdem war ich dort von diesem Verkäufer immer sehr freundlich begrüßt worden und hatte immer wieder die Gelegenheit einige Worte Bengali zu lernen.

Nun hatte ich aber auch dort kein Glück. Zweimal war ich in den letzten Monaten dort gewesen. Einmal mit einmal mit meinem Projektpartner, und einmal ohne ihn. Jedes Mal war ein anderer Verkäufer dort. Schließlich fragte ich nach und bekam gesagt, dass dieser junge Mensch am nächsten Tag wieder da sei und dass er jeden Tag außer Samstag dort sei.

Als ich am nächsten Tag wieder kam, war er tatsächlich dort und sagte, er würde mir gerne bei meinem Projekt helfen. Kurz darauf stellte er mir einen Freund vor, der im Laden nebenan arbeitet. Nun schaue ich immer wieder dort vorbei und stelle diverse Fragen, verbringe einfach Zeit mit den beiden und beobachte ihren Umgang miteinander, mit dem Besitzer der Läden, mit den Kunden und mit mir.

Es ist besonders schwierig Geschlechterrollen zu beobachten, weil alle Bangladeshis, die mir bislang in Lissabon begegnet sind, Männer sind. Ich frage meine neuen Bekannten danach. Sie sagen, es gäbe hier tatsächlich wenige Frauen aus Bangladesh, da die meisten sich hier nicht wohlfühlen würden. Doch mit der Zeit bekomme ich einige Antworten, die dann doch ganz aufschlussreich sind…

In der heutigen zehnminütigen Präsentation, die ich glücklicherweise auf englisch halten durfte, habe ich mich auf den Feldzugang und auf Frage, inwieweit meine eigene Geschlechterrolle die Forschung beeinflusst, fokussiert. Ich war sehr unsicher, ob mein Vortag auch nur grob den Erwartungen entsprach. Die anderen Vorträge waren alle auf portugiesisch und ich verstand teilweise nichtmal, was das Thema der jeweiligen Gruppe gewesen war.

Nach meiner Präsentation sage die Dozentin auf portugiesisch etwas, das in etwa hieß: „Franziskas Fall ist etwas speziell. Wir müssen nach der Stunde miteinander reden.“ Ich dachte: ‚Uff, jetzt hat sie verstanden, was ich neulich meinte, als ich fragte, ob ich mein Projekt noch irgenwie umarbeiten müsse und dass das noch keine richtig Forschung sei.‘ Aber sie sagte dann nur, dass positive Effekte der eigenen Geschlechterrolle [neben den Beschränkungen, die sie mit sich bringt] nicht wie in meinen Folien als „Gender as a Method?“ betitelt werden könnten, da ‚Gender‘ keine Methode sei. Ansonsten sei das alles sehr gut und ich solle das für meine schriftliche Projektzusammenfassung einfach weiter ausarbeiten. Ähh? Ok.