Mehr vom Glück!

Die letzten Tage habe ich mit zwei tollen Freundinnen aus Deutschland verbracht. Sie sind schon vor fast zwei Wochen angekommen, und verbringen hier ihre Flitterwochen. Doch da ich in dieser Zeit sehr im Stress war und möglichst 24 Stunden in meinem Zimmer arbeiten wollte, blieb den beiden nichts anderes übrig als gleich zum Strand weiterzufahren und dort die Zeit zu genießen. Aber Dienstagabend kamen sie zurück nach Lissabon.

Aber ganz frei war ich noch nicht: am Mittwoch hatte ich noch die Portugiesischprüfung vor mir. Ich brach spät zur Uni auf, versuchte mir in der letzten Stunde vor der Prüfung auf die Schnelle die wichtigsten grammatikalischen Formen einzuprägen und saß schließlich völlig desinteressiert und geistesabwesend vor Blättern mit seltsamen Lückentexten und belanglosen Aufgaben. Als es nichts mehr gab, wo ich mich motivieren konnte zu raten, gab ich die Blätter ab. Hungrig stürzte ich in die Cafeteria, um die am Vortag nicht ganz fertig gewordenen Artikel für das Atelier de Jornalismo zu beenden.

Gegen 16:20 Uhr stürzte ich über zwei Stunden zu spät in den Kursraum und traf den Dozenten gerade noch an. Ich drückte ihm meine Artikel in die Hand und sie werden glücklicherweise noch akzeptiert. Jetzt bin ich frei! Das Semester ist vorbei.

Ich gehe schnell in der Bibliothek vorbei und gebe alle ausgeliehenen Bücher ab. Auf dem Nachhauseweg bin ich zu faul zum einkaufen, besuche aber den wunderbaren, neu in meinem Leben aufgetauchten Menschen kurz an seinem Arbeitsplatz. Dann zu Hause, geht es gleich weiter: um 18 Uhr ist Assembleia do GAIA. Ich merke, dass ich etwas erschöpft bin und die Sitzung durch unnötige Fragen und Bemerkungen aufhalte. Ich übernehme – wie schon in den beiden Monaten zuvor – die Aufgabe das Plakat mit mit dem Programm für Juni zu erstellen und zu drucken.

Nach der Assembleia treffe ich meine beiden Freundinnen wenige Straßen weiter, um mit ihnen essen zu gehen. Sie haben den Tag in Fatima verbracht und den Ort als eine einzige Enttäuschung erlebt. Aber jetzt schlendern wir gemütlich durch die Altstadt, bleiben vor einem offenen Fenster stehen um einer weiblichen Fadostimme zu lauschen, lachen einen Türsteher aus, der sagt, wir dürften die Musik nur hören, wenn wir hineingingen und konsumieren, laufen weiter, mit großen Augen und sensiblen Sinnen, und kommen schließlich in einem meiner Lieblingsrestaurants an.

Auf dem Heimweg klettern wir in einen alten, knobig verwurzeltene Baum. Und ich wundere mich: war das wirklich alles an einem einzigen Tag? Habe ich wirklich heute die Portugisischklausur geschrieben, die ich garantiert nicht bestanden habe? Eine der Freundinnen sagt, dass ich mich vielleicht irre und die Klausur doch besser war, als ich denke. Ich sage ihr, dass mich das nicht kümmert: „I failed an exam! I found a love!“ und möchte im noch immer anhaltenden Montagsglück die ganze Welt umarmen.

IMG_19800115_233949_-_pequ Den Donnerstag gehen wir gemütlich an. Wir stehen spät auf, frühstücken gemütlich zuhause. Dann geht es am frühen Nachmittag nach Anjos, von wo aus wir mit dem Bus in die Avenida de Berna fahren, um dann einige Stunden im Parque Gulbenkian zu verbringen. Wir trinken dort Kaffee und essen Kuchen. Es gibt schattige Bäume und einen plätschernden Bach. Wir waten einige Schritte in einen See und Enten schwimmen vorbei.

Danach geht es weiter in andere Parks. Vor einem Bildnis zweier sich küssender Frauen posieren meine Freundinnen.

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Überall gibt es Aussicht und Staunen und Schönheit. Wir drehen uns wild lachend im Kreis und die Sonne scheint. Plötzlich befindenIMG_19800115_234018_-_pequ wir uns mitten in einer Buchmesse unter freiem Himmel. Dann nehmen wir die Metro zurück in’s Stadtzentrum, fahren zweimal mit der historischen Straßenbahn Linie 15 im Kreis, und laufen durch das maurische Viertel zur RDA.

Dort angekommen stellen wir uns in die Essensschlange. Wir treffen ein paar nette Menschen und ich falle in die Arme eines ganz besonderen.

Heute am frühen Morgen verabschiedeten sich meine Freundinnen leise und mussten dann leider los zum Flughafen.

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