Clima ou trabalho?

Clima ou TrabalhoClimáximo wurde gefragt, ob wir uns nicht am Mayday beteiligen wollten. Klar, das ist doch eine super Gelegenheit darauf aufmerksam zu machen, wie blödsinning die ewige Rechtfertigung von Megaprojekten mit dem Totschlagargument „Arbeitsplätze“ ist. Also erstellen wir schnell einen Flyer, der am Mayday verteilt werden soll. Da wir nicht optimal organisiert und auch etwas überlastet sind, haben wir erst direkt am Tag der Arbeit Zeit diesen Flyer zu drucken. Glücklicherweise hat ein Mensch aus unserer Gruppe ständigen Zugang zu den Druckern in seiner Uni … Schnell schneiden wir mit einer Schere bzw. einem Cuttermesser die einzelnen Flyer auseinander – und eilen dann zur Kundgebung. Aber so sehr hätten wir uns garnicht hetzen müssen…

Ab 14 Uhr sammelt sich so langsam eine Kundgebung am Largo de Camões im Bairro Alto. Von hier aus soll ein Demozug loslaufen, der sich dann unterwegs in die große Mai-Demo einreiht, die in Alameda, also nördlich an der Avenida Almirante Reis enden soll. Erst am Tag vorher habe ich erfahren, dass es auch einen anarchistischen ersten Mai gibt, der sich etwa um die selbe Zeit am Rossio trifft und mit kreativeren Aktionen operiert. Aber ganz langweilig ist es in unserer Demo trotzdem nicht. Wir verteilen unsere Flyer unter dem Motto „Clima ou trabalho?“ [„Klima oder Arbeit?“] und am Wegesrand haben Menschen Grafiken zu Klimagerechtigkeit hinterlassen.

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Immer wieder hält die Polizei die Demonstration ohne klaren Grund an. Immer wieder skandieren wir „Deixar passar!“, bis wir schließlich die Altstadt durchquert haben und uns in Mouraria, oder genauer gesagt in Martim Moniz dem großen Marsch anschließen.

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Ich bin überrascht auch hier überall Nelken vorzufinden. Gehören die nicht zur Revolution? Sie seien hier eben generell ein Symbol des Protests und Widerstands, wird mir gesagt. Auch darüber hinaus scheint der Bezug zwischen Revolutionstag und erstem Mai ziemlich groß zu sein.

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Sehr langsam bewegt sich der lange Marsch die Avenida Almirante Reis entlang. Wir sind mit unseren Flyern schneller und bald viel weiter vorne, als wir eigentlich sein wollen. Ich fühle mich erschöpft und nötige mein Umfeld dazu kurz hinter Anjos eine Kaffeepause einzulegen. Während wir gemütlich sitzen, zeigt mir eine Mitstreiterin, wie sie aus Papierservietten eine Nelke bastelt.

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Ich will auch Revolutionssymbole basteln können und fange deshalb ebenfalls an mit Servietten herumzuwerkeln. Die Arbeitsschritte sind aber deutlich schwieriger als es aussah: meine erste Nelke wird erst nach langwierigem Gefrickel fertig und nicht gerade ein Prachtexemplar. Trotzdem stecke ich sie mir ins Haar.

Wir laufen weiter an dem großem Marsch vorbei nach vorne und verteilen unsere letzten Flyer. Dann sind wir in Alameda angekommen. Dort erwartet uns eine riesige Parkfläche voller Menschen. Und ein großes Wahlplakat:

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Jetzt ist Zeit im Gras zu sitzen, auszuspannen, mit neuen und alten Bekannten zu reden, … Aber lange bleibe ich nicht und als ich heimkomme bin ich vor allem erschöpft.

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