Upps … eine Prüfung …?

Am Montagmorgen kam ich nach dem doch recht vollen Wochenende etwas müde und planlos, aber doch fast pünktlich zur Uni. Als ich den halbleeren Raum betrete, kommt mir irgendwas komisch vor. Aber was? Alle sitzen irgendwie aufmerksamer da als sonst. Habe ich etwa einen Termin verpeilt? Ist heute etwa schon die Klausur? Stimmt die stand doch in Método Etnográfico irgendwie früher an. Kann das wirklich schon sein? Schnell schaue ich in den Kalender: uff, Mittwoch! Ähh… was? Mittwoch!! Das ist ja schon in zwei Tagen!

Unsere Dozentin sagt viel zu irgendwelchen Texten und Leute stellen Fragen. Es geht offenbar darum, welcher Stoff klausurrelevant ist. Ich verstehe nicht viel. Also frage ich nach der Stunde nochmal nach und bekomme geduldig auf Englisch erklärt, was ich alles gelesen haben muss. Selbst wenn ich mir nur die klausurrelevanten Texte ansehe und dabei auch alles, was nicht auf Englisch ist, außen vor lasse, komme ich auf über 15 Texte. Bislang habe ich davon nur ein paar Ausschnitte gelesen, die wir während des Unterrichts in irgendwelchen Projekten bearbeitet haben. Ähhh … Doch jetzt habe ich keine Zeit weiter darüber nachzudenken. Ich komme ohnehin gleich zu spät zum Sprachkurs.

Tatsächlich hat der Portugiesischkurs auch schon angefangen, als ich eintreffe. Ich sehe einen Papierstapel auf dem Pult und vermute, dass wir bis heute diesen verdammten Brief schreiben sollten. Eine Hausaufgabe, die wir abgeben sollen und die dann bewertet wird. Upps, das habe ich auch irgendwie vergessen. Ich frage eine Sitznachbarin schräg hinter mir, ob das wirklich bis heute war. „Schreib’s doch jetzt noch schnell.“, raunt sie mir zu. Aber ich versuche mich lieber mehr schlecht als recht auf geschichtliche Informationen zur Nelkenrevolution und die Gramatikübungen zu konzentrieren. Am Ende der Stunde frage ich nach, ob ich den fiktiven Brief auch noch per eMail abgeben könnte. Ja, bis Mitternacht ginge das.

Dann folgen drei Stunden Atelier de Jornalismo, bevor ich nach Hause eile und diesen Brief schreibe. Ich soll einer fiktiven Freundin, die in meine Stadt kommt, Ratschläge geben. Ähh, … was ist denn meine Stadt? Gerade doch Lissabon. Doch schließlich schreibe ich über das fränkische Seenland. Ich schicke die eMail ab und gehe schlafen.

Dienstagmorgen fange ich mit der Klausurvorbereitung an. Viel kann ich jetzt ohnehin nicht mehr machen. Also lese ich einen Text und versuche ihn zusammenzufassen. Er ist interessant. Aber das dauert so ewig. Am Nachmittag bin ich immer noch nicht mit diesem Text durch und vor mir liegt ein Stapel mit vielen weiteren. Immerhin schaffe ich es am Abend mit diesem Text fertig zu werden und am nächsten Morgen wenigstens eine kleine Auswahl der anderen Texte grob zu überfliegen.

Die Klausur läuft dann doch besser als gedacht. Ich kann aus mehreren auswählen, was sich aber schon dadurch erledigt, dass sich die Hälfte der Fragen auf portugiesische Texte bezieht. Aber immerhin wird auch nach dem Text gefragt, den ich am Vortag gelesen habe. Und und von den anderen drei, nach denen gefragt wird, habe ich immerhin zwei während dem Frühstück grob überflogen. Ich schreibe und schreibe. Erst zum Ende der Doppelstunde, als die meisten schon den Raum verlassen haben, gebe ich ab.

Die Prüfung ist erledigt. Es folgen zwei weitere Doppelstunden. Ich eile zur Assembleia de GAIA, sage Aufgaben zu, und hetze dann weiter. Denn um 20 Uhr bin ich mit einer Freundin verabredet. Wir wollen spanisch essen gehen, in einem meiner Lieblingsrestaurants. Ihre Verwandtschaft, die aus Frankreich gekommen ist, ist auch mit dabei. Der Abend ist schön. Aber auch ein wenig traurig. Das ist das letzte Mal vor der Abreise meiner Freundin, dass ich sie sehe. So richtig kann ich es garnicht glauben. Dabei bleiben mir selbst nur noch wenige Monate.

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