Zeit

Die Zeit ist ein komisches Ding. Sie rennt, drumherum wirbeln alle Termine, Aufgaben, Dinge. Ich verzettle mich im Alltag – ganz wie „zuhause“ [moment, bin ich nicht gerade hier zuhause?]. Die Welt ist möglicherweise überall ein bisschen gleich.

Das neue Semester hat schon seit Anfang Februar begonnen. Aber so richtig bei mir angekommen ist das noch nicht. Nur langsam mache ich mich an die Arbeit, um mit dem Pensum der Seminare mitzukommen. Dabei sind die Aufgaben meist selbstgewählt und dementsprechend interessant. In Método Etnográfico darf ich zusammen mit einem Projektpartner Genderrollen unter den Bangladeshis in Lissabon untersuchen. In einem englischen Soziologie-Kurs mit dem Namen Migrations and Globalization darf ich statt Hausarbeit und Präsentationen ein Buch zu Migration in Bangladesh zusammenfassen und etwas weiter dazu arbeiten. Ansonsten besuche ich ein Atelier de Jornalismo und natürlich wieder einen portugiesischen Sprachkurs, der trotz anderer Dozentin wie gewohnt massiv zwischen sehr anspruchsvoll und schon bekanntem schwankt.

Ich merke dass Dinge für mich immer „normaler“ werden. In meinem Lieblings-Copyshop bin ich Stammkundin. Wenn ich in der Uni etwas verliere, weiß ich, wo ich fragen muss [an der Eingangspforte]. Vorletzte Woche habe ich zum ersten Mal Bücher in der Uni-Bibliothek ausgeliehen. Im letzten Semester fand ich das System noch unüberblickbar. Diese Woche habe ich zwei Bücher verlängert und erfahren, dass ich das beliebig oft machen kann, solange die Bücher nicht reserviert sind.

Im Februar war ich zusammen mit anderen im Bairro 6 de Maio in Damaia, das zum Stadtbezirk Amadora gehört: http://stopdemolicoes.tumblr.com
Dort werden Häuser, in denen überwiegend Migrant_innen leben, abgerissen. Die Bewohner_innen werden nach einem Beschluss von 1993 und aufgrund der damaligen Zählung umgesiedelt, so dass die neue Wohnsituation oft unzumutbar ist, da es in vielen Fällen Familienzuwachs und Zuzüge gab. Alle paar Tage gibt es dort seit etwa Januar einen Alarm und eigentlich die Notwendigkeit hinzufahren und die Bewohner_innen zu unterstützen. Trotzdem habe ich es erst einmal geschafft. Amadora ist schon nicht mehr Lissabon, sondern eine eigene Stadt auf dem Weg nach Sintra. Und auch wenn es unbegründet ist, ist dieses Gefühl von „weit weg“ doch sehr groß.

Eher zufällig habe ich mich auch in die Klima-Gruppe Climaximo eingeklinkt. Und befinde mich plötzlich in Überlegungen, wie wir in den Monaten bis zu COP15 in Paris möglichst viel Aufmerksamkeit auf das Thema Klima und „Klimagerechtigkeit“ lenken können.

An das Fahrradfahren in Lissabon habe ich mich inzwischen gewöhnt, auch wenn mich die „Hügel“ Lissabon doch meist eher zum Schieben animieren – ein Eingang-Rad ist in dieser Stadt eben doch nicht optimal… Ich freue mich nun alle meine Besorgungen in einer Kiste auf dem Gepäckträger transportieren zu können. Und auch wenn ich verplant und gestresst durch die Gegend irre und nicht weiß wohin ich eigentlich will und warum, lerne ich doch immer wieder neue Straßenzüge kennen.

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