Rassismus tötet!

Gestern fand am Rossio eine Demo anlässlich der Übergriffe gegen Menschen in Amadora statt. Dort hatte die Polizei Anfang Februar in dem Wohnviertel Cova da Moura Schusswaffen eingesetzt und anschließend sechs Leute (unter der fingierten Behauptung, diese hätte versucht in die Polizeistation einzufallen) verhaftete. Diese Personen wurden mehrere Tage und Nächte lang festgehalten, rassistisch beleidigt und immer wieder durch anhaltende Faustschläge – besonders im Gesichtsbereich – gefoltert. Die öffentliche Berichterstattung, die sich anfangs sehr auf die Darstellung der Polizei bezog, hat sich mittlerweile stark gewandelt. Aber, wie die Betroffenen und ihre Unterstützer_innen beklagen, scheint der Vorfall für die Polizei folgenlos zu bleiben. Zugleich finden täglich weiterhin derart willkürliche „Polizeikontrollen“ in den prekären Wohnvierteln Amadoras und anderer Lissabonner Vororte statt. Grund genug also gestern am Largo de São Domingos neben dem Rossio zu demonstrieren.

Hier ein in’s deutsche übersetzter Aufruf der Organisator_innen:
http://de.indymedia.org/node/3915

Ich traf mich am Freitagabend mit einer Freundin um ein Transparent zu diesem Anlass zu malen. Den Spruch hatten wir schon „Aprecia a Diversidade“, zu deutsch „Schätze die Vielfalt“. Bis aber Banner und Farben gefunden waren, wir eine Zeit vereinbart hatten und – noch schwieriger – einen passenden Ort zum Malen gefunden hatten, war es spät geworden.

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Da ich gleichzeitig auch Beuch aus Deutschland hatte, verbrachte ich den gestrigen Morgen gemütlich im Café. Dann noch schnell einige Erledigungen. Und schon war es Zeit zur Demo aufzubrechen. Um halb vier war ich da. Wir suchen lange nach dem perfekten Platz für unser Transpi. Den gibt es nicht. Trotzdem passt es schließlich. Um vier soll es losgehen, aber die Kundgebung braucht lange, um in Schwung zu kommen. Also gehen wir gegen fünf nochmal gemütlich Suppe essen. Dann beginen aber doch die Redebeiträge, Musik- und Tanzeinlagen. Bei den Tanzauftritten einiger junger bis ganz kleiner Mädchen aus den marginalisierten Wohnvierteln finde ich die leicht sexualisierte Komponente des Auftritts irritierend und frage mich, ob das an den Tänzen selbst liegt oder an meiner Wahrnehmung. Zugleich merke ich, wie sehr mich die Ethnologie schon geprägt hat: Begriffe wie Identität, Othering, Selbst- und Fremdzuschreibungen, Geschlechterrollen, … purzeln durch meinen Kopf, während die Mädchen begeistert über die Bühne wirbeln. Nach einem Auftritt sagt ein Redner, dass die Mädchen aus den Bairros seien und dort gerne ohne Angst leben würden – ohne Angst vor der Polizei, ohne Angst vor nächtlichen Kontrollen, ohne Angst vor Rassismus, … Ich verstehe nicht die ganze um einiges längere Aufzählung. Aber die Botschaft ist klar und sehr bewegend.

Bühne bei Nacht

Gegen Abend wird das Programm musiklastiger. Direkt um die Ecke gibt es mehrere kleine Lädchen, die fast ausschließlich Ginjinha, einen speziellen portugiesischen Likör verkaufen. Mit meiner Mitbewohnerin und Freundinnen von ihr gehe ich ein kleines Becherchen trinken. Dann sitze ich wieder mit „meinen Leuten“ zusammen, mit denen ich anschließend noch durch die Stadt ziehe …

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