Wohnungswechsel, Besuche und das neue Jahr

Kurz vor Weihnachten habe ich das erste Mal heruntergefallenes Laub bemerkt. Es „herbstete“ für mein Gefühl erstaunlich spät und ich freute mich bislang über den küzeren, milderen südeuropäischen Winter. Nach vielen Sonnentagen zum Jahreswechsel ist es nun eher grau und die Bäume sind plötzlich kahl.

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Strahlender Sonnenschein in Anjos am 22. Dezember

IMG_19800124_032444Mein „neues“ Zimmer in Anjos habe ich gerade mal einen guten Monat lang bewohnt. Beim Wechsel dorthin steckte ich noch mitten in Klausuren und Hausarbeiten, IMG_20141209_113903versuchte den Stoff des Anthropologiekurses und möglichst viel portugiesische Grammatik auf die Schnelle irgendwie noch in meinen Kopf zu kriegen,IMG_20141209_113911 IMG_20141209_113926 sparte an Schlaf, las noch kurz vor der Deadline für eine Seminararbeit alles mögliche zu sexueller Gewalt in Delhi und im ländlichen Indien, führte Interviews mit Inderinnen zu dem Thema und gab die Arbeit trotzdem verspätet ab. Zum Glück scheint der Dozent ähnlich kulant zu sein, wie ein anderer bei dem ich in Folge meinen Aufsatz zu „tragischer Ironie“ in den Kurzgeschichten von „Machado de Assis“ ebenfalls zu spät abgab. Da ich „História da Índia“ kurz vor den Prüfungen annullieren lassen hatte, waren damit erstmal alle Arbeiten erledigt – und ich krank. Trotz schönem Ausblick und idealer Lage nervten mich die selbst für mich unzureichende n hygienischen Bedingungen der Wohnung immer mehr. Die Klospülung funktionierte immer schlechter, der Fernseher der Nachbarwohnung wurde immer lauter – als dann auch noch der Abfluss in der Küche kaputtging und meine unverständigen Mitbewohner mehrfach Überschwemmungen verursachten, wollte ich nur noch ausziehen.

 

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IMG_19800107_021939IMG_19800116_010654IMG_19800116_003845IMG_19800112_050648IMG_19800116_023739IMG_19800115_003256IMG_19800116_013714IMG_19800116_004039IMG_19800125_011355Aber erstmal war ich vor allem krank. Während ich über Weihnachten und Neujahr Besuch meines Lieblingsmenschen hatte, schlief ich viel und ließ mir heißen Ingwertee servieren. Nur langsam wurde es besser. Mein Lieblingsmensch durfte gelegentlich die Bücher beiseite legen und mit mir spazieren gehen. Worauf ich dann oftmals wieder erschöpft war. Wir wanderten zu etlichen Miradouros, saßen in kleinen Pastelarias (Konditoreien), machten einen Ausflug nach Cascais und genossen die Sonne.

Den Jahreswechsel verbrachten wir auf einer kleinen halbprivaten Party, auf der es mir sehr gefiel, obwohl es nicht ausreichend vegetarisches Essen gab, weil wir uns nicht angemeldet hatten. Fasziniert stellte ich fest, dass das neue Jahr für mich eine Stunde später anfing als für meine Bekannten in Deutschland. Zur portugiesischen Mitternacht war die Straße überfüllt, was auch an der tollen Aussicht vor Ort lag. Anstatt nervtötendem Kleingeballere gab es nur ein großes Feuerwerk der Stadt.

Zu Beginn des neuen Jahres machte ich mich dann wieder auf die Suche nach einem anderen Zimmer und während ich noch Anzeigen im Internet suchte, hatte eine Freundin wieder mal eine Bekannte, bei der ein Zimmer frei war. Zum ersten Mal war meine Aktivität nach so einem Hinweis erfolgreich: während mein Lieblingsmensch am sechsten Januar leider wieder fahren musste, erhielt ich die Zusage für ein Zimmer in Graça. Mitten im zweiten Umzug hatte ich wieder Besuch von lieben Menschen, die mich auf der Durchreise nach Afrika mal wieder sehen wollten. Gemeinsam trugen wir Sachen von der alten Wohnung zur neuen und unternahmen andere Dinge.

Ich wohne nun mit einer netten Mitbewohnerin, einem Hund, einer Katze und einem Garten voller Zitronenbäume in der Altstadt Lissabons.

 

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