Sintra, Alamada – aber meistens doch Lissabon

Mittlerweile habe ich die schriftliche Arbeit im Literatur-Kurs abgegeben (und mich wieder geärgert, dass ich viel zu spät damit angefangen habe) 1, die Präsentation im Kolonialismus-Kurs gehalten (trotz guter Vorbereitung ein hektisch zusammengestotterter Vertrag), angefangen eine historische Bevölkerungsstatistik aus Goa für den „Counting Colonial Populations“-Kurs zu digitalisieren, festgestellt dass ich Portugisisch-Spachkurs etwas hinterherhinke und mich gefragt, ob ich nicht doch mal anfangen sollte etwas für das „História da Índia“-Seminar zu tun.

Zwischen all diesen Dingen nehme ich mir immer wieder Zeit für anderes. Ein Treffen der Assembleia de Soberania Alimentar wurde auf vorletzten Sonntag und nach Alamada verlegt – eine Kleinstadt auf der anderen Seite der Tejo-Mündung. Dort wurde in einem Gemeinschaftsgarten Fenchel angepflanzt. Doch statt mich an der anstrengenden Arbeit zu beteiligen, half ich lieber Kastanien und Süßkartoffeln über dem Feuer zu grillen, naschte währenddessen Oliven, Brot und andere Leckereien und genoss den Fern-Blick auf Lissabon.

IMG_20141116_123236Letztes Wochenende bekam ich Besuch von meiner Schwester, mit der ich durch die Altstadt lief, Kaffee trank, Restaurants besuchte und viel redete. Zwischen zwei Regengüssen, schleppte ich sie zu einer VoKü zum Thema Fraking. Anderntags ein gemütlicher Abend zu Hause und Sonntags ein Ausflug nach Sintra. Ich stellte fest, dass die Stadt nicht umsonst als schön gilt. IMG_20141116_141332Statt teure Eintrittsgelder für Paläste und Gärten zu bezahlen, streiften wir durch die Stadt und stiegen den Burgberg hinauf. IMG_20141116_141819
Umgeben von waldigem Grün und frischer Luft hatten wir eine gute Aussicht auf die Märchentürme der Stadt. Auch der Regen gönnte sich eine Pause und machte Platz für ein paar zufriedene Sonnenstrahlen.

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Nach der Abreise meiner Schwester geht der Uni-Alltag wie gewohnt weiter. Im Geschichts-Kurs „Counting Colonial Populations“ lerne ich demografische Daten, wie z.B. Bevölkerungswachstum oder Fruchtbarkeitsraten anhand von Statistiken zu errechnen und wundere mich immer wieder, wie unkritisch hier vieles gehandhabt wird. Bei einer Exkursion des Anthropologie-Kurses „Colonialism and Post-Colonialism“ überrascht und begeistert mich hingegen die absulute Konsequenz und Selbstreflektion einer kleinen „Entwicklungs“-Organisation 2, die wir besuchen. Im Sprachkurs nehme ich mir mal wieder vor, die Flektion der Vergangenheitsform, die wir vorletzte Woche gelernt haben, zu wiederholen. Die zweite Hälfte des Literaturkurses hat ein neuer Dozent übernommen, dessen Humor spaßig rüberkommt, während ich seine Lehrmethoden und seine literarischen Analysen noch nicht ganz nachvollziehen kann.

In vielen Details verloren, frage ich mich, wie ich in den nächsten Wochen die Balance zwischen Aktivitäten, aus denen ich Kraft ziehe und universitären Herausforderungen halte können werde. Im Demzember stehen mir drei Prüfungen bevor, und vorher muss ich noch vier schriftliche Arbeiten abgeben. Es wird Zeit anzufangen …

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1 Vor allem habe ich mich auch deshalb geärgert, weil die Aufgabenstellung sehr interessant und spaßig war und mir eigentlich Gelegenheit gegeben hätte an meiner Schreibpraxis zu arbeiten – wenn ich mir nur genügend Zeit genommen hätte. Da es in der ersten Hälfte des Kurses um Fernando Pessoa und seine „Heteronoyme ging, bestand die Aufgabe darin selbst ein Heteronym, also einen fiktiven Autor oder eine fiktive Autorin mit eigenem Stil zu erfinden und aus deren/dessen Sicht mindestens zwei Seiten zu schreiben.

2 Die Organisation heißt CIDAC und betreibt übrigens auch Lissabons einzigen Eine-Welt-Laden. Hier geht es zum Webauftritt: www.cidac.pt

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