Pratos Limpos

Ich huste und ärgere mich über meine Erkältung. Sollte es im „sonnigen Süden“ [schön wär’s] nicht eigentlich warm und ja, … sonnig sein? Stattdessen trübe, grau und zwar zu warm für dicke Pullis, aber doch zu kalt zum gesund bleiben. Das halbe Wochenende verbrachte ich schon wieder mit Kopfschmerzen im Bett und zwei Unitage habe ich jetzt auch schon gefehlt. Und trotzdem lässt mich die Erkältung noch immer nicht los. Dass ich da bei weitem nicht die einzige bin, weil meinem Eindruck nach die halbe Uni vor sich hin hustet, ist nun wirklich auch kein Trost.

Das alles wäre vielleicht gar nicht so sehr ärgerlich, wenn ich nicht gleichzeitig dass Gefühl hätte, dass immer mehr unerledigt liegen bleibt. In den Kursen kommt immer mehr zu bewältigender Stoff zusammen und die ersten Abgabefristen stehen bereits drohend im Raum. Einigen wichtigen Papierkram habe ich immer noch nicht bewältigt. Auf die Frage wie ich mich hier in Portugal registrieren und vielleicht in’s portugiesische Krankenversicherungssystem wechseln kann, kriege ich von verschiedene Menschen umständliche, widersprüchlichste, ausweichende oder gar keine Antworten. Irgendwie scheint hier das Meldesystem völlig anders zu sein. Und ob ich mich überhaupt hier in Portugal krankenversichern kann, ohne sozialversicherungspflichtig beschäftigt zu sein, steht sehr in Frage. Die Suche nach einem Job habe nun allerdings aufgrund der Dauererschöpfung und des ohnehin schon vollen Zeitplans erstmal auf Eis gelegt, nachdem ich letzte Woche versucht habe, mich bei einem Portal zur Arbeitssuche anzumelden und nun zahllose portugiesische Spammails (mit evtl. auch listenweise Jobvorschlägen, die aber sicherlich alle portugiesische Sprachkenntnisse voraussetzen) erhalte.

mais_bonitoSchön ist allerdings dass ich mit „Assembleia pela Soberania Alimentar de Lisboa“, also jener Gruppe die sich regelmäßig in den Räumen von Gaia trifft, einen sympatischen politischen Zusammenhang gefunden habe. Allerdings fällt es mir auch hier nicht immer leicht den Debatten, die oft zum größten Teil auf portugiesisch stattfinden, auch nur annähernd zu folgen. Die Flut der über die entsprechenden Mailinglingliste gehenden Infos bewältige ich nur mit Google-Translator und ignoriere trotzdem noch noch das meiste. Trotzdem gibt es gelegentlich einen Anlass manchmal noch nach den Treffen bei einem „selbstgebrauten Bier“, dass es dort zu trinken gibt, [1] sitzenzubleiben und (dann auf englisch) über Gott und die Welt zu diskutieren – oder zu dritt beim Aufhängen von Plakaten für „Pratos Limpos“, einem „Festival da Soberania Alimentar e Sementes Livres“ in den dort umliegenden Kneipen in jeder zweiten oder dritten für ein Glas Wein [2] zu verweilen.

Und während ich gerade noch dabei bin Dokumentar-Filme (möglichst englisch mit portugiesischen Untertiteln …) für das Fest am Samstag herauszusuchen, bin ich schon sehr gespannt, wie das alles werden wird und denke gleichzeitig daran, dass ich endlich mal heimfahren sollte – denn der morgige Tag fängt früh an und so ganz gesund bin ich noch nicht …

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  • [1]Es gibt dort sogar Brauworkshops. Allerdings sind diese wohl regelmäßig ausgebucht, dauern sechs Stunden und am Ende ist noch nichtmal das Bier fertig.
  • [2]Zum Glück gibt es hier ein Glas Wein schon ab 50 Cent. Sonst wäre das ein teures Vergnügen.

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