Wetter, Strand und Diebesmarkt

Eigentlich wollte ich schon gestern den nächsten Beitrag schreiben. Doch dann gab es ein Gewitter, was zur Folge hatte, dass am ganzen Campus das w-Lan nicht mehr funktionierte …

Ich empfinde das Wetter hier ohnehin als schwer einschätzbar. Oft wechselt es schnell zwischen Regen und Sonnenschein. Da ich kurz vor meiner Abreise ein Telefon geschenkt bekam, das sowas kann, lasse ich mir damit nun oft die stundenweise Wettervorhersage anzeigen. Wenn diese allerdings gerade nicht aktualisiert ist, kann es jedoch schonmal sein, dass das Telefon bei strahlendsten Sonnenschein behauptet, es gäbe gerade ein Gewitter. Tägliche Wetterberichte empfinde ich als kaum deutbar. So war die Vorhersage für heute: „Intervals of clouds and sunshine“
Für heute Nacht ist angekündigt: „Partly cloudy with a shower or thunderstorm around“
Und übermorgen gibt es voraussichtlich: „Intervals of clouds and sunshine with a shower or thunderstorm around“
Also durchgängig wechselhaft. Die Temperaturen sind dabei mit tagsüber etwas über 20 Grad und nachts um die 15 Grad erstaunlich konstant. Wenn der Wetterbericht stimmt, soll es allerdings im Lauf der Woche noch wärmer und vor allem sonniger werden. Mal sehen …

Feira da Ladra

IMG_20140920_164628Am Wochenende war das Wetter trotz derartigen Ansagen glücklicherweise halbwegs stabil und einigermaßen sonnig. So schaffte ich es am Samstag dann den berühmten „Faira da Ladra“, also den „Markt der Diebin“ zu besuchen, nachdem das in der Woche zuvor nicht geklappt hatte. Ich erwartete mir nicht allzu viel nachdem schon in einem Reiseführer von etwa 1978 zu lesen ist, es gäbe leider auch sehr viele kommerzielle Händler_innen. Der „Feira da Ladra“ findet zweimal wöchentlich in dem Altstadtviertel Alfama statt. Als ich gegen 16 Uhr den Platz des Marktes gefunden hatte, fingen die meisten Stände schon an abzubauen – und trotzdem war ich positiv überrascht. Zusammenfassend würde ich sagen: ein relativ „normaler“ Flohmarkt mit schönem Altstadt-Flair. Klar, auch einige Stände, die Neuwaren verkaufen, unter anderem viele schöne, bunte und nicht so ganz billige Klamotten, wie sie in allen Großstädten und Touristenorten zu finden sind. Daneben Händler_innen, die überteuerte Fliesen verkaufen. Aber eben auch Privatleute, die alles mögliche verkaufen. Wie auch an anderen Flohmärkten variieren die Preise stark. Gebrauchte Schuhe waren beispielsweise schon am 50 Cent aufwärts zu haben.

IMG_20140920_174139Im Anschluss bin ich dann noch etwas durch Alfama gelaufen. Das Viertel verzaubert durch enge Gassen und Wäsche, die von den Balkonen hängt. Einen Moment lang fragte ich mich, ob die Tourismusindurstrie die Anwohner gezielt dazu auffordert möglichst viel Wäsche nach draußen zu hängen – aber das wäre dann wohl doch eher zu absurd. Gleichzeitig ist Alfama sehr durch den Tourismus geprägt. Souvenierländen mit fast identischem Sortiment reihen sich aneinander. Daneben gibt es vor allem Restaurants – oft mit mehrsprachiger Speisekarte. Dementsprechend sind die Preise oft etwa doppelt so hoch wie in anderen Teilen Lissabons. In der Regel werden traditionelle Fleisch- und Fischgerichte angeboten – gleichzeitig finden sich aber auch überdurchschnittlich viele vegetarische und sogar vegane Gerichte. (Im Bezug auf Gastronomie in Portugal ist das berichtenswert – besonders wen mensch kein Suppenfan ist.) Besonders auffällig ist, dass die meisten traditionelleren Restaurants mit Fado-Veranstaltungen werben – also jener Musik, die als besonderes portugiesisches Kulturgut gilt und von „Saudade“, also dem „einzigartig portugiesischen“ schmerzhafen Sehnsuchtsgefühl handeln.

S. Joao de Estoril

IMG_20140921_130633Am Sonntag ging es dann an den Strand. Der stundenweise Wetterbericht hatte immerhin nur zwei kurze Gewitter für jeweils etwa 15 und 18 Uhr vorhergesagt. Es versprach also ein recht trockener Tag zu werden. Dazu kam das Rosa schon meinte, bei dem vielen Regen handle es sich wohl um einen verfrühten Wintereinbruch – denn üblicherweise sei im September noch optimales Badewetter. Dementsprechend wollte ich nicht riskieren eine der letzten Möglichkeiten dieses Jahr hier im Meer zu baden zu verpassen. Also fuhr ich mit dem Zug in Richtung Cascais. Entlang dieser Strecke gibt es mehrere geeignete Badestrände und die Fahrt kostet nur etwa 2,40 Euro. Offenbar hatten noch einige andere ähnliche Vorstellungen von der Nutzung eines der letzten Sonnen-Sonntag, denn am Bahnhof „Cais de Sodre“ war es extrem voll und alle wollten offenbar in genau diesen Zug. In „S. Joao de Estoril“ stieg ich aus, weil Rosa mir diesen Strand empfohlen hatte. Die Massen fuhren weiter.

Nach etwa 10 bis 15 Gehminuten fand ich den Strand. Dieser ist zwar nicht so richtig idyllisch – aber immerhin gab es Meer, Palmen und gelegentlich sogar Sonne. Leider lag auch viel Müll herum und auch das Wasser war überdurchschnittlich dreckig. Trotzdem sprang ich kurz hinein – um nach nur kurzer Zeit vor den starken Wellen und meiner Angst auf die am Ufer liegenden großen Steine gespült zu werden zu kapitulieren. Ich setzte mich dann lieber in die Sonne, las gemütlich und bekam im Rahmen einer Werbeaktion eine Banane aus Madeira geschenkt. Die angekündigten Gewitter blieben aus.

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